Zu TOP 8 des Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde Wilnsdorf am 30.11.16
Windkraftplanungen der Gemeinde Burbach (7. Änderung des Flächennutzungsplanes)

Sehr geehrter Herr Ausschussvorsitzender,
sehr geehrte Damen und Herren,

Die CDU Fraktion beantragt hiermit die folgende Stellungnahme in Ergänzung zu TOP 8 des Bau- und Umweltausschusses der Gemeinde Wilnsdorf am 30.11.2016 Windkraftplanungen der Gemeinde Burbach (7. Änderung des Flächennutzungsplanes) aufzunehmen und als Einwendung des Bauausschusses fristgerecht bei der Gemeinde Burbach einzubringen.

Stellungnahme:

Die Gemeinde Wilnsdorf ist aufgefordert sich zu den Windkraftplanungen der Gemeinde Burbach (1. Offenlegung) zu äußern. Dazu hat die Verwaltung eine Stellungnahme verfasst, die am 30.11.16 unter dem o. g. TOP des Bau- und Umweltausschuss zur Beratung ansteht.
Die CDU Fraktion beantragt daher, die folgende Stellungnahme, die insbesondere die Belange besorgter Wildener Bürger betrifft, im Bau- und Umweltausschuss am 30.11.16 vortragen zu können und durch Beschluss als gesonderte Einwendung zur o.g. FNP Änderung der Gemeinde Burbach vorzulegen.


Die Gemeinde Burbach hat im vergangen Jahr ihr Planvorhaben (7. Änderung des Flächennutzungsplan) zur Ausweisung von Konzentrationszonen für Windkraftanlagen öffentlich gemacht (Aufstellungsbeschluss des Rates vom 10.03.2015). Neben den Trägern öffentlicher Belange hatten bisher auch viele Bürger aus Wilden ihre Bedenken und Anregungen schriftlich in das Verfahren eingebracht, zumal die Gemeinde Neunkirchen parallel auf ihrem Gebiet im Bereich des Bautenberg Windkraftzonen für WEA plante (jetzt nur noch im Bereich „Schillerbach“).

Ortsvorsteher Bertold Daub hatte daraufhin Ende vergangenen Jahres, unter Bezugnahme auf die Planungen beider Gemeinden, einen Flyer entwickelt, um die Dimensionen eines riesigen Windparks südlich von Wilden zu verdeutlichen.
Insgesamt 368 Eingaben von Wildener Bürgern gingen bei Bertold Daub ein, die sich mit den Planungen nicht einverstanden erklärten. Er hat die Eingaben Anfang diesen Jahres bei der Gemeinde Neunkirchen und jetzt aktuell in Burbach, zu den vom 31.10. - 02.12.2016 ausliegenden Planunterlagen, eingereicht.
Dankenswerter Weise hat die Gemeinde Neunkirchen aus Gründen des Artenschutzes, des Altbergbaus und der Abstandsproblematik der WEA untereinander (gefordert ist fünffacher Rotordurchmesser in Hauptwindrichtung und dreifacher Rotordurchmesser in Nebenwindrichtung) mittlerweile von einer weiteren Windkraftplanung bei Wilden Abstand genommen und entspricht damit den aus der Wildener Bürgerschaft vorgebrachten Bedenken. Das erwarten die Wildener auch von der Gemeinde Burbach.
Mit Beschluss des Rates vom 08.03.2016 hält die Gemeinde Burbach allerdings weiter an ihren bisherigen Zonenplanungen fest und damit an einer Zone „Baudenberg“. Lediglich am nördlichen Rand der geplanten Windkraftzone „Baudenberg“ scheiden, entgegen den vorherigen Planvorstellungen, zwei kleinere Teilflächen aus. Wird die von der Gemeinde Burbach vorgelegte Windkraftzonenplanung bei Wilden erst einmal rechtskräftig beschlossen, werden den Bürgern in Wilden, neben den bereits jetzt bestehenden hohen Immissionsbelastungen (Bundesautobahn und Autobahnzubringer durch den Ort) weitere, hohe Belastungen zugemutet. Die massive Verunstaltung des Orts- und Landschaftsbildes, einhergehend mit einer erheblichen Verlärmung bis hin zum Verlust wertvollen Lebensraumes für Mensch und Tier, wird in Wilden von vielen Bürgern als nicht hinnehmbar erachtet. Darüber hinaus ist der „Baudenberg“ für sie nicht nur Naherholungsraum, sondern auch ein Kulturdenkmal (frühzeitliche Siedlungsstätten, historische Wege und Spuren von mehreren Jahrhunderte altem Bergbau).Vieles davon droht unwiederbringlich zerstört zu werden.
Die Grundstückseigentümer und ein Investor (Volkswind GmbH) planen seit Jahren im Bereich „Baudenberg“ / „Walkersdorfer Berg“ den Bau von WEA. Diese Pläne wurden im Beisein von Bürgermeister Ewers durch den Investor in einer öffentlichen Veranstaltung am 22.06.15 in Gilsbach vorgestellt. Demnach sollen westlich der L723 im Bereich „Baudenberg“ zwei Anlagen und östlich der L723, im Bereich des „Walkersdorfer Berg“, drei WEA gebaut werden, wobei die vorgesehene Bauhöhe der fünf Anlagen eine Höhe von 200 m erreicht.
Die Veranstaltung am 22.06.15 war ein deutliches Signal in die Öffentlichkeit und damit an die betroffene Bürgerschaft:
Gemeindeverwaltung segnet die Planvorstellungen von Investor und Grundstückseigentümern ab!
Der von Bürgermeister Ewers an diesem Abend besonders betonte Hinweis, die gemeindlichen Flächennutzungsplanänderungen erfolgten völlig unabhängig von den Plänen des Investors, mag mit dem schriftlich verfassten Planwerk der Gemeinde Burbach stimmig sein, allerdings gibt es begründete Zweifel und die Aussage ist zudem völlig lebensfremd. An folgenden Beschlüssen der gemeindlichen Entscheidungsgremien wird dies für uns deutlich:

1. Der Bauausschuss der Gemeinde Burbach fasste am 31.05.12 unter TOP 2 (Ausweisung weiterer Konzentrationszonen für Windkraftanlagen hier: Beschluss zur weiteren Vorgehensweise) u. a. folgende Beschlussempfehlung an den Rat:
„Der Rat der Gemeinde Burbach beschließt folgende Vorgehensweise:
Die Verwaltung wird beauftragt, über Gespräche mit den betroffenen Waldbesitzern und mit potentiell Investoren die Suchräume weiter einzugrenzen. In diese Gespräche sind Aspekte wie z. B. Art des Beteiligungsmodells und Eigentümereinigung einzuschließen. Für die eingegrenzten Suchräume müssen dann durch die Waldbesitzer bzw. potentiellen Investoren qualifizierte Detailuntersuchungen (insbesondere Artenschutz, aber z. B. auch Erschließung etc. ) vorgelegt werden, die zeigen, welche Flächen tatsächlich als Konzentrationszone geeignet sind.“.....

2. Der Bauausschuss der Gemeinde Burbach fasste am 06.09.2012 unter TOP 4 zur 2. FPNÄ der Gemeinde Neunkirchen - Darstellung von Konzentrationszonen für Windkraftanlagen, hier: Stellungnahme der Gemeinde Burbach nach §2 Abs.2 BauGB) folgenden Beschluss als Empfehlung an den Rat: „Die Belange der Gemeinde Burbach werden insbesondere durch die potentiellen Eignungsflächen „Baudenberg“ und „Schillerbach“ berührt, da diese Flächen unmittelbar an der Gemeindegrenze liegen. Die mögliche Errichtung von Windkraftanlagen insbesondere in der Eignungsfläche „Schillerbach“ wird sich voraussichtlich nicht unerheblich auf das Landschaftsbild des Gilsbachtales und auf das Ortsbild der Dörfer Gilsbach und Wahlbach der Gemeinde Burbach auswirken. Im Hinblick auf die Schonung dieser sensiblen Bereiche bzw. im Hinblick auf eine möglichst großräumige interkommunale Konzentrationswirkung geplanter Anlagen, empfiehlt es sich aus diesem Grund der potentiellen Eignungsfläche „Baudenberg“ den Vorrang einzuräumen, da in diesem Bereich seitens der Gemeinde Burbach ebenfalls nach einer ersten gutachterlichen Ermittlung ein entsprechender Suchraum für die Ausweisung dieser Zonen ermittelt wurde. Die interkommunale Bündelung in einer Zone beinhaltet nicht nur Vorteile im Hinblick auf einen behutsamen Umgang mit Landschafts- und Ortsbild bzw. mit Freiflächen sondern auch im Hinblick auf wirtschaftliche Aspekte wie z. B. Erschließung (gemeinsame Zuwegungs- und Einspeisetrasse).“

3. Der Bauausschuss der Gemeinde Burbach fasste am 28.02.2013 unter TOP 2 (Ausweisung weiterer Konzentrationszonen für Windkraftanlagen) unter 2e u. a. folgende Beschlussempfehlung an den Rat:
...“Ferner wird die Verwaltung damit beauftrag, Vereinbarungen mit allen potentiellen Investoren zwecks einer Kostenübernahme der Artenschutzprüfung II zu treffen, die im Fall einer Pachtvertragsunterzeichnung spätestens aber vor Abschluss des Bauleitplanverfahrens eine Erstattung der Kosten bei einer grundsätzliche Eignung der Suchräume nach Artenschutzprüfung II garantiert.“
Der Beschluss vom 31.05.12 belegt, dass die Verwaltung schon sehr frühzeitig zusammen mit potenziellen Investoren und Grundstückseigentümern eine arbeitsteilige Vorgehensweise zur Eingrenzung der Suchräume abgesprochen und qualifizierte Detailuntersuchungen eingefordert hat.
Mit dem Beschluss vom 06.09.2012 bevorzugt die Gemeinde die Flächen im Bereich des „Baudenberg“ und schließt damit zu einem sehr frühen Zeitpunkt eine Potentialfläche „Schillerbach“ aus.
Hier wäre eine gemeinsame Zonenplanung mit der Gemeinde Neunkirchen mehr als sinnvoll gewesen, ja sogar geboten. Ein solcher Beschluss, ein derartiges Vorgehen widerspricht deutlich den von der Gemeinde Burbach dargelegten Zielsetzungen, zusätzlich Flächen zur Windenergienutzung zur Verfügung zu stellen, die als fachlich geeignet anzusehen sind , um der Windkraftnutzung ausreichend substantiellen Raum zu verschaffen (s Bl. 8 der Begründung zur 7. FNPÄ), denn die vorgebrachten Ausschließungsgründe für die Potentialfläche „Schillerbach“ lassen sich auch auf die Flächen im Bereich des „Baudenberg“ anwenden. Schon damals hätte die Gemeinde Burbach wissen können, ja müssen, dass der Flächenbereich „Baudenberg“ zusätzlich zu den negative Auswirkungen auf das Landschafts- und Ortsbild für die Ortschaft Wilden (also wie in Gilsbach und Wahlbach) topografische Schwierigkeiten (Steilhanglagen) aufweist, an vielen Stellen vom Altbergbau belastet ist, und daher für den Bau von WEA erhebliches Konfliktpotential beinhaltet.
Die Entscheidung, die Potentialfläche „Schillerbach“ auszuschließen und die konfliktreichere Potentialfläche „Baudenberg“ zu bevorzugen, halten wir für einen gravierenden Abwägungsfehler.
Wir haben aus der Vorlage entnommen, dass die Verwaltung die sich aufdrängende interkommunale Planung im Bereich „Schillerbach“ deutlich angesprochen hat und unterstützen die dortigen Ausführungen.
Die Beschlussfassung vom 28.02.2013 zur Kostenübernahme mag rechtlich nicht zu beanstanden sein. Deutlich wird allerdings, dass es auch eine finanzielle Interessenlage zwischen Gemeinde und Investor gib, den Bau von WEA einvernehmlich zu planen und umzusetzen. Der Beschluss vom 31.05.2012 beinhaltet nach unserer Ansicht die Absprache zu einem „begleitenden Bebauungsplanverfahren“ durch den Investor, welches die Gemeinde Burbach neutral und transparent im Interesse aller Bürger in den betroffenen Ortschaften hätte betreiben können. Ein solch unabhängig betriebene Verfahren wird von der Gemeinde Burbach ausdrücklich nicht verfolgt, im Gegensatz zu anderen Kommunen. Rein rechtlich ist das nicht zu beanstanden.
In der Öffentlichkeit hat Bürgermeister Ewers bei Nachfragen zu Standortfragen und Anzahl der WEA eine Aussage mit dem Verweis auf die beiden unterschiedlichen Verfahrensschritte abgelehnt. Derartige Festsetzungen und Aussagen seien erst im Detail nach Abschluss des Flächennutzungsplanverfahren im Rahmen eines Baugenehmigungsfahrens notwendig bzw. möglich. Grundsätzlich und von der Rechtsprechung her sind diese unabhängigen Planungsschritte auch durchaus richtig und nachvollziehbar und im Planwerk der Gemeinde Burbach verankert, allerdings nur, wenn keine Absprachen im Vorfeld erfolgt sind.
Ein Investor, der Millionen Euro verbauen will und im Rahmen eines notwenigen Bauplanverfahrens erhebliche Kosten aufwenden muss, wird dies allerdings doch nur tun, wenn er sich sicher ist oder sicher sein kann, dass die zu bebauenden Flächen auch dafür aus formal-rechtlichen Gründen zur Verfügung stehen. Das scheint in Gilsbach offenbar der Fall zu sein, zumal bereits wesentliche kostenträchtige Planungsschritte vollzogen wurden, die für das Baugenehmigungsverfahren erforderlich sind (z. B. Raumuntersuchung Schwarzstorch durch die Volkswind GmbH).
Insofern ist zu befürchten, dass die Gemeinde Burbach die im Planungsverfahren zu behandelnden Belange („harte Kriterien“ und „weiche Kriterien“) kaum mehr wirklich neutral bewertet hat. Sie hat sich nach unserer Einschätzung für die Investoreninteressen entschieden.
Und wie diese aussehen, konnte aus einem Informationsgespräches mit einem Vorstandsmitglied der HG Gilsbach (Name kann benannt werden) im Februar 2014 entnommen werden. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde die Interessenlage der HG Gilsbach klar und unmissverständlich vorgetragen, in welchem Bereich WEA gewünscht und machbar sind. Zu diesem Zeitpunkt gingen Grundstückseigentümer und Investor noch von einer dritten Anlage im Bereich des „Baudenberg“aus, also insgesamt sechs. Die aktuellen Planungen des Investors beinhalten eine Anlage weniger, wie uns auf Nachfrage am 22.06.15 in Gilsbach ausdrücklich bestätigt wurde. An diesem Abend wurde auch klar, dass für die geplanten Windkraftzonen „Baudenberg“ und „Walkersdorfer Berg“ detaillierte Planungen seitens des Investors schon erfolgt sind und dass im nordöstlichen Bereich der geplanten Zone „Baudenberg“ der Bau einer dritten WEA nicht umsetzbar ist. Wir denken auf Grund des Altbergbaus, der Topografie und dem Abstand der WEA zu und untereinander mit der angrenzenden Zone „Walkersdorfer Berg.
Auf die Problematik der Abstände von WEA untereinander für die geplante Zone „Baudenberg“ wurde bereits im Jahr 2012 in der Windenergiestudie zur 4.-7. FNPÄ auf den Seiten 51 / 52 unter Ziffer 4.5 (Eignungsflächen für Windenergieanlagen) hingewiesen. Dort ist die Fläche 1 (Baudenberg) zeichnerisch dargestellt. Unter „Abstand der WEA untereinander“ ist folgendes vermerkt:
„Es ist die Errichtung von bis zu vier WEA möglich, sofern die Anlagen nicht in Hauptwindrichtung stehen. Wenn die WEA in Hauptwindrichtung angeordnet werden, müssen die Abstände der Anlagen untereinander vergrößert werden, um eine optimale Leistung der Anlagen sicherzustellen. Es können dann weniger als vier WEA errichtet werden. Zudem ist zu beachten, dass die Zahl der tatsächlich zu realisierenden WEA auch von den genauen Standorten der WEA auf der benachbarten Eignungsfläche 2 abhängig ist.“
Die Detailplanungen des Investors belegen genau diese Einschätzung. Ganz offensichtlich sind nur zwei WEA in der geplanten WK-Zone „Baudenberg“ umzusetzen, und dass ein Investor und die Grundstückseigentümer ohne zwingende Notwendigkeit auf eine dritte WEA verzichten, ist mehr als unwahrscheinlich und erfolgte mit hoher Wahrscheinlichkeit aus rechtlich - fachlichen Gründen.
Hier zeigt sich, wie wichtig es gewesen wäre, hätte die Gemeinde Burbach die Potentialflächen im Rahmen ihrer 7. FNPÄ selbst im Detail untersucht und nicht einem Investor überlassen.
Die grundsätzliche Bewertung der Gemeinde Burbach, dass in einer WK-Zone Platz für drei Anlagen sein muss / sein sollte, ist aus heutiger Sicht für den Bereich der geplanten Zone „Baudenberg“ deutlich infrage zu stellen.
Wir haben den begründeten Verdacht, dass in der geplanten Zone „Baudenberg“, sollten die Pläne umgesetzt werden, niemals eine dritte Anlage gebaut wird. Weiter stellt sich die Frage, ob es sich bei der „Zone Baudenberg“, unter Zugrundelegung der von Gemeinde Burbach festgelegten Kriterien (Mindestgröße 20 ha mit drei Anlagen), noch um eine WK-Zone handelt oder lediglich nur noch um eine „Potentialfläche“ für zwei WEA.
Für uns wird ganz deutlich, dass die Gemeinde Burbach eben nicht neutral und losgelöst von Investoren- und Eigentümerinteressen vorgegangen ist, sondern sich ganz offensichtlich nach deren Wünschen und Planvorstellungen richtet. Dass es ihr „ein großes Anliegen“ ist, das Verfahren mit einer „möglichst großen Transparenz für die Bürgerschaft zu gestalten“ (s. Seite 8 der Begründung zur 7. FNPÄ) und als eines ihrer Planziele hervorhebt, ist für uns kaum mehr als ein Lippenbekenntnis.
Der Vollständigkeitshalber sei noch erwähnt, dass in allen drei Protokollen kein Hinweis auf Befangenheit vermerkt ist, obwohl das nachweislich der Fall war. Ein als befangen geltendes Ratsmitglied / Ausschussmitglied ist oder war nach unseren Erkenntnissen im Vorstand der HG Gilsbach tätig.
Die Thematik „ Befangenheit“ im Zusammenhang mit den Beschlüssen zu den Windkraftplanungen der Gemeinde Burbach erfolgte lt. Protokoll erstmals im Verlauf der Bauausschusssitzung am 19.11.2013. Zwei Ausschussmitglieder erklärten sich befangen, so auch das Vorstandsmitglied der HG Gilsbach.
Wie unsensibel die Gemeinde Burbach mit der Frage der „Befangenheit“ umgeht, konnte man mit größter Verwunderung in zwei Bauausschusssitzungen am 25.02.16 und am 28.04.16 miterleben.
Ausschussmitglieder, die sich als befangen erklärten, nahmen weiter an der Sitzung teil und beteiligten sich auch an der Diskussion. Selbst Gäste (Fraktionsvorsitzender einer Ratspartei) beteiligten sich vehement an der Diskussion.
Wir sind der Ansicht, dass die Planungen weder dem Erforderlichkeitsgebot noch dem Abwägungsgebot entsprechen. Ihre Vorgehensweise beschreibt die Gemeinde Burbach in ihrer Begründung zur 7. FNPÄ auf Bl. 47, unter Ziffer 4.3.1.2 Punkt 1 - 5.

Unsere Einwendungen basieren auf den unter den Punkten 3 und 4 aufgestellten Kriterien:

- Darstellung des Abwägungsergebnisses der Einzelflächen (u.a. detaillierte Betrachtung der Flächeneignung für die Nutzung der Windenergie) und

- Schaffung und Prüfung von ausreichend Positivflächen zur Windenergienutzung (substanzieller Raum). Wie bereits vorstehend erwähnt, definiert die Gemeinde Burbach Potentialflächen für eine Windkraftzone an zwei Fakten:
- Mindesflächengröße von 20 ha
- Platz für 3 WEA.

Vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde Burbach der Windkraft den aus höchstrichterlicher Rechtsprechung geforderten „substanziellen Raum“ nicht nur berücksichtigen muss, sondern ihn in ihren Planungen als wesentlichen Belang anspricht, um eine rechtssichere Planung sicherzustellen, wäre der Verzicht auf eine derartige Mindestfestlegung naheliegend. So jedenfalls beschränkt sie ihre Planungsoptionen deutlich und räumt der Windkraft eben nicht den „substanziellen Raum“ ein, der rechtlich geboten ist und den die Gemeinde Burbach in ihren Planungen als von hoher Relevanz darstellt und für unabdingbar hält. Mit der Festlegung einer Mindestflächengröße für drei WEA (20 ha) werden die darunter liegenden Flächen einer „detaillierte Betrachtung“, der „Flächeneignung“ automatisch entzogen, verbunden mit dem zusätzlichen Vorteil, sich nicht mehr mit der „Schaffung und Prüfung“, Windkraft „substanziellen Raum“ zu geben, auseinandersetzen zu müssen. Dass eine detaillierte Betrachtung und Prüfung dieser Flächen naheliegt, ja sogar zwingend notwendig erscheint, lässt sich nicht nur aus der Karte zur Einzelflächenbewertung in der Begründung zur 7. FNPÄ (Ziff. 4.3.4) ersehen, sondern auch durch eine Betrachtung der Flächen vor Ort. Es sind die Flächen am

- Bereich Simberg einschließlich ehemalige Deponie mit 4 - 5 Teilflächen (zusammen mit mehr als 20 ha)

- Bereich Schillerbach (zusammen mit Neunkirchen mehr als 20 ha)

Sie fehlen in der Bewertungsmatrix (s. Bl. 118 ff.) völlig, obwohl sie als potentiell für WEA geeignet scheinen, wie sich unschwer aus der Beschlussfassung des Bauausschusses vom 06.09.12 in Bezug auf die Potentialflache „Schillerbach“ entnehmen lässt. Es hätte im Detail eine Prüfung erfolgen müssen, zumal im Bereich Simberg die einzelnen Flächen nicht nur groß genug für je eine WEA zu sein scheinen, sondern auch der Abstand der Flächen zu- und untereinander für eine mehrkernige Windkraftzone sprechen. Dass beide Flächenbereiche ohne detaillierte Prüfung, alleine durch die Größenvorgabe ausscheiden, ist völlig unverständlich. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Gemeinde Burbach ihre tatsächlichen Planungsoptionen auf ihrem Gemeindegebiet nicht in dem gebotenen Maß ausschöpft, wie es ihr nach höchstrichterlicher Rechtsprechung weitgehend vorgegeben ist. In der Bewertungsmatrix werden nur vier Potentialflächen miteinander verglichen. Wir halten das für völlig unzureichend und fehlerhaft.
Darüber hinaus sind die Planungen von einem hohen Transparentmangel behaftet und leiden dadurch erheblich an Glaubwürdigkeit.
Für uns ist wichtig, dass die Gemeinde Burbach nicht einfach auf geeignete Flächen wie am Simberg und im Bereich Schillerbach (interkommunale Zone) verzichtet. Wenn dieses Planungspotential genutzt würde, müssten aus unserer Sicht genügend Sachargumente und genügend Spielraum vorhanden sein, um auf eine Ausweisung der Zone „Baudenberg“ zu verzichten, zumal dort nur zwei Anlagen infrage kommen.
Sollte die Gemeinde Burbach die Potentialfläche „Schillerbach“ als Vorrangfläche für WEA weithin als nicht geeignet ausscheiden (Schonung des Landschafts- und Ortsbildes gegenüber den Orten Gilsbach und Wahlbach) fordern wir dies ebenso für die Zone „Baudenberg“ bei Wilden. Dies gilt entsprechend, wenn am Simberg weiterhin keine Zone ausgewiesen werden soll.
Die Gemeindeverwaltung Wilnsdorf hat in ihrer Vorlage die für die Bürgerinnen und Bürger in Wilden wesentlichen Ansatzpunkte für eine sehr wohl mögliche Änderung der Burbacher Windkraftplanung herausgearbeitet. Die im Beschlussvorschlag erhobenen Forderungen nach erneuter Überprüfung und Änderung der Planung werden von uns unterstützt.
Abschließend noch folgender Hinweis:
Es sind zwei Ausarbeitungen zu dem Naturraum südlich von Wilden erarbeitet worden.
Diese Ausarbeitungen betreffen den Quell- und Biotopschutz der in der Zone „Walkersdorfer Berg“ zu wenig berücksichtigt wird, als auch den Artenschutz der sowohl im Bereich der Zone „Baudenberg“ als im Bereich der Zone „Walkersdorfer Berg“ nicht ausreichend berücksichtigt wird.
Beide Ausarbeitungen sind von Peter Draeger, CDU-Ortsunionsvorsitzender Wilden, im Rahmen des öffentlichen Auslegungsverfahren bereits bei der Gemeinde Burbach eingereicht.


Stephan Hoffmann
CDU Fraktionsvorsitzender